Bike Snow

Kalt und Grau?! Na, und?

Wie die meisten, tue ich mich mit dieser grauen Zeit ein bisschen schwer. Es ist kalt und damit die Zeit, in der ich mich gerne an die warmen, sonnigen Abenteuer am Trail erinnere und Pläne für die nächsten Monate schmiede. Vorbei sind die Ausfahrten und Rennen, bei denen man sich im T-Shirt über den angenehm kühlen Fahrtwind freut und so lange unterwegs ist, bis die Kräfte nachlassen oder der Hunger sich meldet. Die Tage sind kürzer und die Motivation ist nicht gerade in Höchstform. Aber mit einem gescheiten Trainingsplan und Trainingsalternativen die Spass machen. Das heisst für mich, Läufe, Kraft- und Mobility Einheiten im Fitness Studio, Crosser Touren und regelmässige Ausfahrten mit den Mädels. Bei jedem Wetter, ohne Ausreden.

mountain bikers in the snow getting ready for the downhill

Winterschlaf gibt’s bei uns nicht

Wir sind noch nicht bereit, unsere Mountainbikes in den Winterschlaf zu schicken. Dafür haben wir sie gerade erst ein bisschen aufgepimpt. Ein paar neue Mäntel, wasserabweisendes Wachs für den Rahmen und ein neuer Mud Guard sind es dieses Mal geworden. Das Rad ist also fit und ich arbeite noch schnell an meiner eigenen Einstellung. Die Überwindung raus zu gehen, ist zugegebenermaßen nicht jedes Mal so einfach. Aber nicht lange zu überlegen, hilft auf jeden Fall.

Ab nach draussen

Jetzt freue ich mich schon richtig auf Draußen. Und zwar nicht nur auf eine gute Zeit in netter Gesellschaft, sondern auch auf die Eindrücke die dort auf uns warten. Gerade wenn es knackig kalt ist, zaubert die Natur ein Farbenspiel in die Umgebung, das einen die Kälte schon fast vergessen lässt. Hah, außerdem gibt dadurch sicher ein paar gute Fotos!

Ein kurzer Temperatur-Check am Balkon. Woah, ist das kalt! Aber man kennt das ja – mit ein bisschen Bewegung wird’s gleich etwas wärmer. Bleibt natürlich die Kleidungsfrage. Wie viele Lagen Funktionskleidung muss ich denn übereinander ziehen, um nicht sofort auf den ersten Metern am Bike festzufrieren? Ich entscheide mich für zwei Lagen Merino und einen leichten Thermo Hoodie. Als ich mich in den wasser- und windfesten letzten Layer zwänge und einen Blick in den Spiegel riskiere, werde ich unsicher. Hhm – sieht irgendwie ziemlich warm aus. Vielleicht hätte ich doch eine Schicht Merino weniger drauf packen sollen?! Egal, ausziehen geht immer. 

female mountain biker on snow covered flow trail
pic by Ellis Gugerell

Warm anziehen und los

Es geht los. Erst mal am Radweg raus aus der Stadt. Die Mädels warten bereits am Treffpunkt und die Sonne strahlt gleich ein bisschen stärker durch die Wolkendecke. Wir strampeln uns durch das Grau. Vorbei an den leicht eingefrorenen Gesichtern, die uns von der Seitenlinie aus etwas ungläubig anstarren. Ein freundliches ‘Hallo!’ in deren Richtung und wir treten plaudernd in Richtung Trail. Es ist kaum etwas los beim Raufkurbeln. Ich vermute, dass die Anziehungskraft der Couch bei anderen Bikern und Wanderern wohl doch etwas stärker war. Gut für uns – alles richtig gemacht. Es ist zwar kalt, aber ich bin happy. Die Laune steigt auch bei den Anderen merkbar und die Mundwinkel sind zu einem zufriedenen Lächeln geformt. 

Das lohnt sich

Oben angekommen, weiß ich sofort wieder, warum ich mir das eigentlich antue. Es gehen drei Trails in Richtung Tal und wir haben die Qual der Wahl. Wir entscheiden uns für den Enduro Trail mit Flow Anteil. Aber vorher noch ein kleiner Snack zur Stärkung. Anstatt eines Chemieriegels gibt es heute selbstgemachtes Bananenbrot und irgendwelche Gemüsebällchen. Eine sehr nette Abwechslung, wie ich finde. 

Der Trail schaut für die Jahreszeit eigentlich sehr gut aus. Nicht rutschig, sondern ziemlich griffig. Auf ein paar Abschnitten lässt das Laub die Wurzeln und Felsen darunter nur ganz leicht vermuten. Ich konzentriere mich darauf, die kleinen Hindernisse früh genug zu erkennen und gebe Gas. Die Bewegung und die frische Luft tun extrem gut. Die Enduro-Kollegin vor mir ist heute rasant unterwegs. Mal schauen, ob ich bei der Geschwindigkeit und dem Flow mithalten kann. 

female mountain biker riding through a berm
pic by Christian Gugerell

Weiter unten wird es auf einmal schlammig. Finde ich diesmal gar nicht so schlecht. Wer mich kennt weiß, dass rutschiges Geröll und Matsch nicht zu meinen Favoriten gehören. Aber dieses Mal bin ich ziemlich gechillt und schmunzle über das ungeplante Geschicklichkeitstraining. Und das nächste Enduro-Rennen, bei dem es in der Nacht davor komplett durchregnet, kommt bestimmt. Der Schlamm bedeckt uns mit einer leichten Schicht. Ich freue mich schon auf die Blicke der aufgebrezelten Sonntagsspazierer am Weg zurück in die Stadt. Viel zu schnell sind wir dann auch wieder am Heimweg. Sehr cool war’s! 

Zu Hause gibt es noch die verdiente Entspannung auf der Couch. Heiße Dusche, warme Decke, das favorisierte Heißgetränk und die Lieblings-Netflix Serie. Ein gelungener Abschluss. Wieder eine Trainingseinheit absolviert, die sich in der nächsten Saison sicher in irgendeiner Art bezahlt macht. Und vielleicht erinnere ich mich dann an einem heißen Sommertag schmachtend zurück an die ‘cooleren’ Abenteuer am Trail.

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